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Informatik-Seminar Sommersemester 2014

Thematische Schwerpunkte des Informatik-Seminars im Sommersemester 2014 sind die Möglich­keiten und Folgen der allgegen­wärtigen Daten­sammlung, -verknüpfung und -auswertung.

Datensammlung und Überwachung

Gott sieht alles, dies akzeptieren wir. Nicht akzeptabel ist es dagegen, wenn Google alles sieht. Das Recht auf Privatheit ist ein Grundrecht.

Man kann argumentieren, dass schließlich niemand gezwungen ist, Google zu benutzen. Aber auch, wenn wir telefonieren, E-Mails versenden oder im Web surfen, protokolliert die NSA alles mit. Und vielleicht auch der englische Geheimdienst, der deutsche Geheimdienst, der chinesische Geheimdienst oder wer auch immer.

Man kann argumentieren, dass schließlich niemand gezwungen ist, zu telefonieren, E-Mails zu versenden oder im Web zu surfen.

Aber wir müssen ja einkaufen. Und in jedem Supermarkt gibt es Kameras. Mit Gesichts­erkennungs­software ausgestattet, weiß der Supermarkt, an welchem Regal wir verweilen, was wir einkaufen, welchen Umsatz wir erzeugen. Die Fußgänger­zone weiß, wann wir welche Läden betreten haben. Die Läden wissen, was wir gekauft haben. Die Tankstelle weiß, wann wir wieviel getankt heben. Der Bahnhof weiß, wann wir wohin gereist sind. Wir aber wissen nicht, wer was weiß, wenn alle diese Daten miteinander verknüpft werden.

Kann man argumentieren, dass wir ja nicht gezwungen sind, im Supermarkt einzukaufen, die Fußgängerzone zu betreten, zu tanken oder mit der Bahn zu reisen?

Bis zu einem gewissen Grade können wir uns der Total­überwachung entziehen. Wir können uns bei Facebook abmelden. Aber auf E-Mail und Internet zu verzichten, auf mobile Kommunikation, auf Einkäufe im Supermarkt oder auf Bahnreisen zu verzichten, schränkt unsere Lebensführung in unangemessener Weise ein.

Folgen

Dies ist das Dilemma der heutigen Zeit. Auf der eine Seite wollen wir die Segnungen der modernen Daten- und Kommunikations­technik nutzen, auf der anderen Seite wollen wir das Maß an Privatheit, das wir gewohnt sind, beibehalten. Dies ist aber offen­sicht­lich nicht ohne weiteres möglich, jedenfalls nicht kostenlos. Wir bezahlen mit unseren Daten. Aber wir wissen nicht, was es uns kostet, wenn wir mit Daten bezahlen.

Harmlos ist es, wenn wir personalisierte Werbung bekommen. Werbung kann mann ignorieren, ob personalisiert oder nicht. Weniger harmlos ist es, wenn die Schufa uns mangelnde Kredit­würdigkeit unterstellt – nur aufgrund unseres Datenprofils. Noch weniger harmlos ist es, wenn wir ins Visier von Ermittlungen geraten – wohlgemerkt nicht weil wir etwas verbrochen haben, sondern nur, weil wir ein ähnliches Datenprofil haben wie jemand, der etwas verbrochen hat.

Themen des Seminars

Im Informatik-Seminar im Sommersemester 2014 wollen wir den Fragen nachgehen, die sich aus dem geschilderten Dilemma ergeben. Ist es möglich, sich mithilfe technischer Mittel bestimmter Formen der Überwachung zu entziehen? Gibt es möglicher­weise Methoden der Überwachung, an die wir noch gar nicht gedacht haben? Welche Möglich­keiten hat die Zivil­gesellschaft, auf politischer Ebene die Total­überwachung einzudämmen? Wie können wir uns, wenn nichts dergleichen gelingt, in einer total­überwachten Gesellschaft einrichten?

Das Seminar ist bewusst so angelegt, dass wir sowohl technische als auch gesellschaft­liche Ansätze diskutieren.

Ziel des Seminars ist es, sich über Möglich­keiten der Total­überwachung und geeigneter Abwehr­maßnahmen im Klaren zu werden. Dieses Thema ist, obwohl schon latent irgendwo im Hinterkopf geahnt, durch die Enthüllungen von Edward Snowdon absolut präsent.

 

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