Informatik

Protokoll

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Ein Protokoll ist die Beschreibung eines Ablaufs, an dem mehrere Akteure beteiligt sind: Wer macht was wann? Die Beschreibung kann sich auf vergangene Abläufe beziehen, so zum Beispiel auf den Verlauf einer Sitzung (Sitzungs­protokoll) oder den Verlauf eines wissen­schaftlichen Versuchs (Versuchs­protokoll). Sie kann sich aber auch auf zukünftige Abläufe beziehen. So regelt beispiels­weise das diplomatische Protokoll die vorgesehenen Abläufe bei Staats­empfängen.

Protokolle im täglichen Leben

Protokolle finden sich auch im täglichen Leben, meist ohne dass sie explizit fest­geschrieben sind. Ein Beispiel sind die sogenannten Umgangs­formen.

Wenn sich zwei Personen A und B zu einer Besprechung treffen, ist folgendes Protokoll Besprechung abhalten anzuwenden:

Protokoll Besprechung abhalten

  1. Begrüßung: Person A sagt "Guten Tag", "Moin" oder "Hallo", Person B antwortet mit derselben Begrüßungs­formel.
  2. Vorstellung (optional): A sagt "Ich bin der Martin", B antwortet mit "Und ich bin Julia". Hierbei sind anstelle von Martin und Julia die tat­sächlichen Vornamen der Personen A und B einzusetzen.

    In weniger informellen Zusammen­hängen stellt sich A mit seinem Nachnamen vor, z.B.: "Schmidt" und B antwortet mit "Angenehm" oder "Sehr erfreut". Anschließend stellt B sich vor und A antwortet entsprechend.

    Das gegenseitige Vorstellen entfällt, wenn sich die beiden Personen schon kennen.

  3. Frage nach dem Befinden (optional): Person A fragt "Wie geht es dir?", Person B gibt mit den Formeln "Gut", "Geht so" oder "Muss ja" Auskunft über ihr Befinden und stellt anschließend die Gegenfrage "Und dir?", Person A antwortet wiederum, indem sie Auskunft über ihr Befinden gibt.

    Dieser Teil ist zeit­aufwendig und liefert wenig Informationsgewinn, er kann daher in vielen Fällen auch entfallen.

  4. Gespräch: A und B tauschen Informationen beliebiger Art aus.
  5. Abschieds­formel: A sagt "Auf Wiedersehen" oder "Tschüss", B antwortet mit derselben Abschieds­formel.

Protokollstapel

In vielen Fällen kommunizieren die Akteure indirekt miteinander. Streng genommen ist dies bei jeder Kommunikation der Fall, weil immer ein dazwischen­geschaltetes Medium für den Informationsaustausch erforderlich ist. In dem oben angegebenen Protokoll Besprechung abhalten ist das Medium die Luft, in der sich Schallwellen ausbreiten. Der Informationsaustausch erfolgt also nicht direkt zwischen A und B, sondern die in dem Protokoll verwendeten Wörter werden beim Sagen zunächst in Schallwellen umgeformt, durch die Luft übertragen und beim Hören wieder in Wörter zurück­verwandelt. Das Modell für indirekte Kommunikation ist ein sogenannter Protokoll­stapel (Bild 1).

Bild 1: Protokollstapel Besprechung
Bild 1: Protokollstapel Besprechung

Die waagerechten Pfeile zwischen Kommunikationspartnern der gleichen Schicht des Protokoll­stapels bezeichnen die Protokolle, hier z.B. die Protokolle "Besprechung abhalten" und "Schallwellen übertragen". Die senkrechten Pfeile zwischen Akteuren in unter­schiedlichen Schichten bezeichnen sogenannte Schnitt­stellen.

 

Ein anderes, etwas komplizierteres Beispiel ist der Protokoll­stapel Vertragsverhandlungen zwischen zwei Unternehmen (Bild 2). Die Vorstände der beiden Unternehmen führen Ver­handlungen über einen Vertrag. Sie tun dies jedoch nicht direkt, sondern lassen Vertrags­entwürfe schreiben und zwischen den jeweiligen Sekretariaten austauschen. Dies geschieht nicht direkt, sondern die Entwürfe werden per Post verschickt. Die Post wiederum befördert die Briefe auch nicht direkt, sondern bedient sich der Bahn als Transport­mittel.

Jede Schicht macht das, was sie am besten kann. Typischer­weise wird die Kommunikation nach unten hin immer allgemeiner. So kann etwa die Bahn beliebige Güter trans­portieren, nicht nur Postsäcke. Die Post kann beliebige Briefe befördern, nicht nur Geschäfts­post. Ein Sekretariat kann beliebige Geschäfts­korrespondenz führen, nicht nur Vertrags­entwürfe versenden.

Bild 2: Protokollstapel Vertragsverhandlungen
Bild 2: Protokollstapel Vertragsverhandlungen

Entlang der waagerechten Pfeile in dem Diagramm wird Information nur virtuell, also gedacht, übertragen, außer in der untersten Schicht. Real wird die Information entlang der senkrechten Pfeile und in der untersten Schicht entlang des waagerechten Pfeils übertragen (Bild 3).

Bild 3: Informationsübertragung in einem Protokollstapel
Bild 3: Informationsübertragung in einem Protokollstapel

Schnittstellen

An den Schnitt­stellen zwischen Akteuren ver­schiedener Schichten wird die Information gewandelt, umcodiert, adressiert, ver- bzw. entpackt, sodass sie für das Protokoll der betreffenden Schicht verwendbar ist.

Im Beispiel des Protokoll­stapels der Vertrags­verhandlungen muss die Information in der Schicht der Sekretariate in wörtlicher Form vorliegen. In der Schicht der Post muss die Information in einem adressierter Brief­umschlag verpackt vorliegen. In der Schicht der Bahn muss die Information in einem Behälter mit Angabe des Zielbahnhofs verpackt vorliegen.

Protokolle in der Informatik

Auch in der Informatik ist ein Protokoll die Beschreibung eines vorgesehenen Ablaufs, wenn mehrere Akteure miteinander kommunizieren.

 

 

 

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