Mathematische Grundlagen

Gruppe

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Ver­knüpfung

Definition:  Sei M eine nichtleere Menge. Eine Ver­knüpfung auf M ist eine Abbildung

 •   :  MkreuzM Pfeil M,

die je zwei Elementen a, b Element M ein Element c Element M zuordnet. Die Schreibweise ist

a • b  =  c.

Wenn die Menge M endlich ist, lassen sich die Ergebniswerte der Ver­knüpfung in Form einer Ver­knüpfungs­tafel angeben.

Definition:  Eine Ver­knüpfungs­tafel ist eine Tabelle, die für alle Elemente a, b Element M das Ergebnis der Ver­knüpfung a • b in Zeile a und Spalte b enthält.

Beispiel:  Sei M die Menge boolesche Menge = {0, 1}. Auf boolesche Menge sei eine Ver­knüpfung Exklusiv-Oder in folgender Weise definiert:

 

Exklusiv-Oder01
001
110

Das Ergebnis von 1Exklusiv-Oder0 beispielsweise ergibt sich als Eintrag in Zeile 1 und Spalte 0, nämlich als 1Exklusiv-Oder0 = 1.

Beispiel:  Die Menge M sei die Menge natürliche Zahlen der natürlichen Zahlen. Dann sind + (Addition), · (Multiplikation) und "hoch" (Potenzierung) Ver­knüpfungen.

Welche Zahl das Ergebnis der Ver­knüpfung etwa von 5 + 3 oder von 7·4 oder von 23 ist, müssen wir im allgemeinen ausrechnen (um 3 weiterzählen von 5 aus, die 7 viermal addieren, bzw. die 2 dreimal mit sich selbst multiplizieren). Schneller geht es, wenn wir die Ver­knüpfungs­tafeln der einstelligen Zahlen auswendig lernen (z.B. kleines Einmaleins). Für die Ver­knüpfung von größeren Zahlen gibt es die Rechen­verfahren der Arithmetik (Kopfrechnen, schriftliches Addieren und Multiplizieren).

Eigenschaften von Ver­knüpfungen

Es kommt bei einer Ver­knüpfung im allgemeinen auf die Reihenfolge der Elemente an. Ver­knüpfungen, bei denen es nicht auf die Reihenfolge ankommt, heißen kommutativ.

Definition:  Sei M eine Menge mit einer Ver­knüpfung  • . Die Ver­knüpfung  •  heißt kommutativ, wenn für alle Elemente a, b Element M gilt

a • b  =  b • a.

Beispiel:  Die oben angegebenen Ver­knüpfungen Exklusiv-Oder, + und · sind kommutativ. Die Ver­knüpfung "hoch" ist jedoch nicht kommutativ, denn es ist z.B. 23 = 8, aber 32 = 9.

Wenn wir nicht nur zwei, sondern drei Elemente a, b, c miteinander verknüpfen wollen, gehen wir wie folgt vor: wir verknüpfen die ersten beiden Elemente, und das Ergebnis verknüpfen wir mit dem dritten Element (Auswertung von links nach rechts):

(a • b) • c.

Wir hätten jedoch auch erst das zweite und dritte Element verknüpfen und dann das erste Element mit diesem Ergebnis verknüpfen können (Auswertung von rechts nach links):

a • (b • c).

Welche Art der Auswertung ist die richtige? Nun, es stellt sich heraus, dass es bei vielen Ver­knüpfungen egal ist: in beiden Fällen kommt dasselbe Ergebnis heraus. Derartige Ver­knüpfungen heißen assoziativ.

In den anderen Fällen muss man sich auf eine Auswertungsart einigen, z.B. Auswertung von links nach rechts, oder durch Klammern die Reihenfolge der Auswertung vorschreiben.

Definition:  Sei M eine Menge mit einer Ver­knüpfung  • . Die Ver­knüpfung  •  heißt assoziativ, wenn für alle Elemente a, b, c Element M gilt

(a • b) • c  =  a • (b • c).

Beispiel:  Die oben angegebenen Ver­knüpfungen Exklusiv-Oder, + und · sind assoziativ. Die Ver­knüpfung "hoch" ist jedoch nicht assoziativ, denn es ist z.B. (22)3 = 43 = 64, aber 2(23) = 28 = 256.

Aufgabe 1:  Sei M die Menge ganze Zahlen der ganzen Zahlen. Welche Eigenschaften hat die Ver­knüpfung "–"  (Subtraktion)?

assoziativ   ja   nein    ?  
kommutativ   ja   nein    ?  

 

Halbgruppe

Im Folgenden bezeichnen wir eine Menge M, auf der eine Ver­knüpfung  •  definiert ist mit (M,  • ). Wir betrachten nun Eigenschaften solcher Mengen. Je nach dem, welche von insgesamt vier Eigenschaften erfüllt sind, bilden diese Mengen unter­schiedliche mathematische Strukturen. Die einfachste dieser Strukturen ist die Halbgruppe. Bei einer Halbgruppe wird lediglich verlangt, dass die Ver­knüpfung assoziativ ist.

Definition:  Eine Menge mit einer assoziativen Ver­knüpfung ist eine Halbgruppe.

Beispiel:  Sei A ein Alphabet und A+ die Menge der nichtleeren Wörter über dem Alphabet. Auf A+ sei die Verkettung von Wörtern als Ver­knüpfung  •  definiert. Zwei Wörter werden verkettet, indem sie einfach hinter­einander geschrieben werden, z.B.

ab  •  aacc = abaacc.

Die Ver­knüpfung ist offensichtlich assoziativ. Die Menge A+ mit der Konkatenation als Ver­knüpfung bildet daher eine Halbgruppe.

Die Menge der natürlichen Zahlen mit der Addition (natürliche Zahlen, +) ist eine Halbgruppe. Ebenso ist (natürliche Zahlen, ·) eine Halbgruppe.

 

Monoid

Definition:  Eine Halbgruppe (M,  • ) ist ein Monoid, wenn sie ein neutrales Element enthält. Ein Element e Element M heißt neutrales Element, wenn für alle a Element M gilt

e • a  =  a • e  =  a.

Das neutrale Element wird auch als Nullelement oder als Einselement bezeichnet, je nach dem, ob die Ver­knüpfung als Addition oder als Multiplikation verstanden wird.

Beispiel:  Die Menge A* der Wörter über einem Alphabet A (einschließlich des leeren Wortes ε) mit der Verkettung als Ver­knüpfung ist ein Monoid. Das leere Wort ε ist das neutrale Element, denn es gilt

ε • w  =  w • ε  =  w   für alle Wörter w Element A*.

Sei X eine Menge und Potenzmenge(X) die Potenzmenge von X, d.h. die Menge aller Teilmengen von X. Dann ist Potenzmenge(X) mit der Vereinigung von Mengen  vereinigt  als Ver­knüpfung und der leeren Menge leere Menge als neutralem Element ein Monoid.

Die Menge der natürlichen Zahlen mit der Multiplikation (natürliche Zahlen, ·) ist ein Monoid mit der 1 als neutralem Element. Die Menge der natürlichen Zahlen einschließlich der Null mit der Addition (natürliche Zahlen0, +) ist ein Monoid. Die Null ist das neutrale Element bezüglich der Addition. Ferner ist (boolesche Menge, Exklusiv-Oder) ein Monoid mit der 0 als neutralem Element.

Satz:  Sei (M,  • ) ein Monoid. Dann ist das neutrale Element eindeutig bestimmt, d.h. es gibt nicht mehrere neutrale Elemente in (M,  • ).

Beweis:  Seien e und f neutrale Elemente. Dann gilt

f  =  e • f  =  e,

denn f  =  e • f, weil e neutral ist, und e • f  =  e, weil f neutral ist.

Im Folgenden schreiben wir ein Monoid M mit Ver­knüpfung  •  und neutralem Element e als Tripel (M,  • , e). So sind beispielsweise (Potenzmenge(X),  vereinigt , leere Menge), (natürliche Zahlen, ·, 1), (natürliche Zahlen0, +, 0) sowie (boolesche Menge, Exklusiv-Oder, 0) Monoide.

 

Gruppe

Definition:  Ein Monoid (M,  • , e) ist eine Gruppe, wenn es zu jedem Element a Element M ein inverses Element in M gibt. Ein Element a' Element M heißt invers zu a Element M, wenn

a • a'  =  e

ist, d.h. wenn die Ver­knüpfung von a und a' das neutrale Element e ergibt.

Beispiel:  Die Menge der ganzen Zahlen mit der Addition (ganze Zahlen, +, 0) ist eine Gruppe. Zu jeder Zahl a ist -a das inverse Element.

Die Menge (boolesche Menge, Exklusiv-Oder, 0) ist eine Gruppe. Die 0 und die 1 sind jeweils zu sich selbst invers.

Satz:  Sei (M,  • , e) eine Gruppe. Für jedes a Element M gilt: wenn a' zu a invers ist, dann auch a zu a'.

Beweis:  Sei zunächst a'' das zu a' inverse Element, d.h. a' • a'' = e. Dann ist

a   =   a • e   =   a • a' • a''   =   e • a''   =   a''

d.h. a = a'' ist zu a' invers.

 

Abelsche Gruppe

Definition:  Eine Gruppe (M,  • , e) heißt abelsche Gruppe (nach N.H. Abelzur Person), wenn die Ver­knüpfung  •  kommutativ ist, d.h. wenn für alle Elemente a, b Element M gilt

a • b  =  b • a.

Beispiel:  (ganze Zahlen, +, 0) ist abelsche Gruppe.

Die Menge aller Permutationen von n Elementen mit der Komposition (Hinter­einander­aus­führung von Abbildungen) als Ver­knüpfung ist eine Gruppe, jedoch keine abelsche Gruppe.

 

Zusammenfassung

Eine Gruppe ist zunächst eine Menge M, auf der eine Ver­knüpfung  •  definiert ist. Eine Ver­knüpfung ist eine Abbildung von MkreuzM in M. Es müssen darüber hinaus drei Eigenschaften erfüllt sein, diese heißen die Gruppenaxiome:

Bei einer abelschen Gruppe gilt zusätzlich:

 

Gruppentheorie

Gruppen können aus endlich vielen oder unendlich vielen Elementen bestehen. Die folgenden Definitionen und Sätze gelten teils nur für endliche Gruppen, teils für alle Gruppen.

Definition:  Sei (G,  • , e) eine Gruppe. Eine Teilmenge H enthalten G heißt Untergruppe von G, wenn (H,  • , e) eine Gruppe ist.

Beispiel:  Die Menge der geraden Zahlen ist eine Untergruppe von (ganze Zahlen, +, 0).

Satz:  (Untergruppen­kriterium für endliche Gruppen)

Sei (G,  • , e) eine endliche Gruppe. Dann bildet jede nichtleere Teilmenge H enthalten G, die unter der Ver­knüpfung  •  abgeschlossen ist, eine Untergruppe von G.  D.h. es gilt

H ist Untergruppe von G    genau dann wenn   H enthalten G   und   Hungleichleere Menge   und   für alle a, b Element H :   a • b Element H.

Definition:  Sei (G,  • , e) eine Gruppe. Die k-te Potenz eines Elementes a Element G ist induktiv wie folgt definiert:

ak  =   geschweifte Klammer
e    für k = 0
a • ak-1    für alle k Element natürliche Zahlen

Es ist also ak  =  a • ... • a (k-mal).

Mithilfe des vorigen Satzes lässt sich eine Untergruppe einer endlichen Gruppe G erzeugen, indem alle Potenzen eines einzelnen Elementes a Element G gebildet werden. D.h. a wird mit sich selbst verknüpft, das Ergebnis wiederum mit a usw., solange, bis nichts Neues mehr hinzukommt.

Definition:  Sei (G,  • , e) eine endliche Gruppe und a Element G. Die von a erzeugte Untergruppe ist

spitze Klammer aufaspitze Klammer zu  =  { ak  |  k Element natürliche Zahlen}.

Das Element a ist das erzeugende Element von spitze Klammer aufaspitze Klammer zu.

Beispiel:  Die Untergruppen von (ganze Zahlen6, +, 0) sind

spitze Klammer auf0spitze Klammer zu  =  {0}
spitze Klammer auf1spitze Klammer zu  =  {1, 2, 3, 4, 5, 0}
spitze Klammer auf2spitze Klammer zu  =  {2, 4, 0}
spitze Klammer auf3spitze Klammer zu  =  {3, 0}

Ein wichtiges Beweis­hilfs­mittel ist der folgende Satz von Lagrangezur Person:

Satz:  Sei (G,  • , e) eine endliche Gruppe und (H,  • , e) eine Untergruppe von G.  Dann gilt

|H|  ist Teiler von  |G|.

Aus dem Satz folgt, dass eine echte Untergruppe einer endlichen Gruppe G höchstens halb so viele Elemente haben kann wie G.

Definition:  Sei (G,  • , e) eine Gruppe. Die Ordnung ord(a) eines Elementes a Element G ist die kleinste Zahl k Element natürliche Zahlen, für die gilt

ak  =  e.

Satz:  Sei (G,  • , e) eine endliche Gruppe und a Element G. Dann gilt

ord(a)  =  |spitze Klammer aufaspitze Klammer zu|.

Beweis:  Sei k = ord(a), d.h. die kleinste natürliche Zahl, für die gilt ak = e. Dann sind die von a erzeugten Elemente a1, a2, ..., ak alle verschieden. Denn wäre a i = a j mit 1kleiner gleichi < jkleiner gleichk, so wäre a j-i = e, wobei j-i < k, im Widerspruch dazu, dass k die kleinste Zahl ist mit ak = e.

Ebenso ist klar, dass ab ak+1 = ak • a = e • a = a keine neuen Elemente mehr hinzukommen. Somit hat spitze Klammer aufaspitze Klammer zu genau k Elemente.

Satz:  Sei (G,  • , e) eine endliche Gruppe. Dann gilt für alle a Element G

a|G|  =  e.

Beweis:  Nach dem Satz von Lagrange und nach dem vorigen Satz gilt

|G|  =  q · |spitze Klammer aufaspitze Klammer zu|  =  q · ord(a)   für irgendein q Element natürliche Zahlen.

Ist ord(a) = k, so ist ak = e und

a|G|  =  aq·k  =  (ak)q  =  eq  =  e.

 

 

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