Transformationen

Schnelle Fourier­trans­formation (FFT)

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Die Fourier­trans­formation ist ein fundamentales Verfahren in der Signal­verarbeitung. Durch die Fourier­trans­formation lassen sich Signale von der Darstellung {(Zeitpunkt, Abtastwert)} in die Darstellung {(Frequenzanteil, Amplitude, Phase)} überführen. Viele Operationen, z.B. Filter, lassen sich im Frequenzraum leichter durchführen. Anschließend wird das Signal mit der inversen Fourier­trans­formation wieder zurück transformiert. [Beispiel]

Außerdem hat die Fourier­trans­formation Anwendungen in der Numerik; z.B. lässt sich eine Polynom­multiplikation schneller durchführen, wenn die Polynome in Stützstellen­darstellung statt in Koeffizienten­darstellung vorliegen.

Das Verfahren der schnellen Fourier­trans­formation (engl.: Fast Fourier TransformFFT) hat eine Zeit­komplexität von O(n log(n)). Dadurch ist die Polynom­multiplikation sogar einschließlich Transformation in Stützstellen­darstellung und Rücktrans­formation noch schneller als die direkte Multiplikation in Koeffizienten­darstellung.

 

Grundlagen

Definition:  Sei komplexe Zahlen der Körper der komplexen Zahlen. Ein Element w Element komplexe Zahlen heißt n-te Einheits­wurzel, wenn wn = 1 ist, und w heißt primitive n-te Einheits­wurzel, wenn wn = 1 ist, aber wkungleich1 für alle k Element {1, ..., n-1}.

Beispiel:  Sei n = 4. Dann ist i primitive 4-te Einheits­wurzel1). Alle 4-ten Einheits­wurzeln sind:

i0 = 1,     i1 = i,     i2 = -1,     i3 = -i.

Für n = 6 ist  cos(2π/6) + i sin(2π/6)  primitive 6-te Einheits­wurzel (Bild 1).

Allgemein gilt in komplexe Zahlen:

w  =  cos(k·2π/n) + i sin(k·2π/n)     mit   k Element {0, ..., n-1}

ist n-te Einheits­wurzel; ist k teilerfremd zu n, so ist w primitiv.

In der eulerschen Schreibweise lässt sich eine n-te Einheits­wurzeln w auch ausdrücken als

w  =  eik2π/n     mit   k Element {0, ..., n-1}.

Einheitskreis in der gaußschen Zahlenebene mit 4-ten und 6-ten Einheitswurzeln
Bild 1:  Einheitskreis in der gaußschen Zahlenebene mit 4-ten und 6-ten Einheits­wurzeln
Eigenschaften von n-ten Einheits­wurzeln
  1. Es gibt in komplexe Zahlen genau n verschiedene n-te Einheits­wurzeln, diese sind darstellbar als die Potenzen einer primitiven n-ten Einheits­wurzel w:

    w0, w1, w2, ..., wn-1.

     

  2. Jede ganzzahlige Potenz wk einer n-ten Einheits­wurzel w ist wieder n-te Einheits­wurzel, denn

    (wk)n  =  wk·n   =  (wn)k  =  1k  =  1.

    Dies gilt auch für negative k.

     

  3. Ist n gerade, so gilt für jede primitive n-te Einheits­wurzel w:

    wn/2  =  -1,

    denn (wn/2)2 = wn = 1, d.h. wn/2 ist 2-te Einheits­wurzel, also 1 oder -1. Da aber  wn/2ungleich1 ist, da w primitiv ist, gilt wn/2 = -1.

     

  4. Das Quadrat w2 einer primitiven n-ten Einheits­wurzel (n gerade) ist primitive n/2-te Einheits­wurzel, denn
    1. (w2)n/2  =  wn  =  1.
    2. Angenommen, w2 sei nicht primitiv, dann existiert ein k Element {1, ..., n/2-1}  mit  (w2)k = 1. Dann ist aber w2k = 1 mit 2k < n, im Widerspruch dazu, dass w primitiv ist.

     

  5. Ist w primitive n-te Einheits­wurzel, so ist w-1 ebenfalls primitive n-te Einheits­wurzel, denn
    1. (w-1)n  =  w-n  =  1/wn  =  1/1  =  1.
    2. Angenommen, w-1 sei nicht primitiv, dann existiert ein k Element {1, ..., n-1} mit (w-1)k = w-k = 1. Dann ist aber wk = 1/w-k = 1/1 = 1, im Widerspruch dazu, dass w primitiv ist.

     

  6. In komplexe Zahlen gilt für die zu einer n-ten Einheits­wurzel w konjugierte Zahl w

    w  =  w-1

    denn es ist

    w · w = (cos(k·2π/n) + i sin(k·2π/n)) · (cos(k·2π/n) – i sin(k·2π/n))
     = cos(k·2π/n)2 + sin(k·2π/n)2
     = 1.

 

Diskrete Fourier­trans­formation

Definition:  Sei n Element natürliche Zahlen und w primitive n-te Einheits­wurzel in komplexe Zahlen. Eine nkreuzn-Matrix F mit

Fi,j  =  wi·j

für alle i, j Element {0, ..., n-1} heißt Fourier­matrix.2)

Die lineare Abbildung  f : komplexe Zahlenn Pfeil komplexe Zahlenn  mit

f(a)  =  a·F

für alle (Zeilen-)vektoren a Element komplexe Zahlenn heißt diskrete Fourier­trans­formation (DFT).3)

Beispiel:  Sei n = 4. Dann ist i primitive n-te Einheits­wurzel. Die zugehörige Fourier­matrix ist

F  =  eckige Klammer auf
1111
1i-1-i
1-11-1
1-i-1i
eckige Klammer zu

So ist etwa die -1 in der letzten Zeile der Matrix das Element

F3,2 = w3·2 = w6 = (-1)3 = -1

(die Elemente der Matrix werden von 0 bis n-1 indiziert).

Die Fourier­trans­formation des Vektors a = [1 1 1 0] ergibt

y = a·F =  [3 i 1 -i]

Offenbar ist die Fourier­matrix F die Vandermonde-Matrix des Vektors w0, ..., wn-1. Die Matrix-Vektor-Multiplikation y = a·F lässt sich somit als Polynom­auswertung an den Stellen w0, ..., wn-1 auffassen, wobei der Vektor a die Koeffizienten des Polynoms enthält. Das Ergebnis y0, ..., yn-1 ist die Stützstellen­darstellung des Polynoms.

Satz:  Die inverse Fourier­matrix F -1 existiert und ist gleich

F -1i,j  =  1/n · w-i·j

für alle i, j Element {0, ..., n-1}. Die inverse Fourier­matrix enthält also die zu den Elementen der Fourier­matrix inversen Elemente, dividiert durch n.

Definition:  Die lineare Abbildung  f -1 : komplexe Zahlenn Pfeil komplexe Zahlenn  mit

f -1(a)  =  a·F -1

für alle a Element komplexe Zahlenn heißt inverse Fourier­trans­formation.

Beispiel:  Sei n = 4. Die inverse Fourier­matrix ist

F -1  =  1/4 · eckige Klammer auf
1111
1-i-1i
1-11-1
1i-1-i
eckige Klammer zu

Die inverse Fourier­trans­formation des Vektors y = [3 i 1 -i] ergibt

a  =  y·F -1  =  [1 1 1 0].

In dieser Form ist die Fourier­trans­formation eine Matrix-Vektor-Multiplikation mit der Komplexität O(n2). Durch Ausnutzung der Symmetrie der n-ten Einheits­wurzeln lässt sich die Berechnung auf O(n log(n)) beschleunigen. Dieses Verfahren heißt schnelle Fourier­trans­formation (Fast Fourier TransformFFT) [CT 65].

 

Schnelle Fourier­trans­formation (FFT)

Die Idee des Verfahrens der schnellen Fourier­trans­formation ist, die einzelnen Berechnungen der Matrix-Vektor-Multiplikation y = a·F in einer speziellen Reihenfolge auszuführen, so dass jeweils auf schon berechnete Zwischen­ergebnisse zurück­gegriffen werden kann. Dabei werden die o.a. Eigenschaften (3) und (4) ausgenutzt, nämlich dass wn/2 = -1 ist und dass das Quadrat w2 der primitiven n-ten Einheits­wurzel w primitive n/2-te Einheits­wurzel ist. Das Verfahren setzt voraus, dass n eine Zweierpotenz ist.

Zunächst werden die Komponenten von y mit geradem Index berechnet, indem der Vektor a mit den entsprechenden Spalten der Fourier­matrix multipliziert wird. Es gilt für alle k Element {0, ..., n/2-1}:

yk'  =  y2k  =   Summe i = 0, ..., n-1     ai wi·2k.

Die Summe wird in zwei Hälften aufgespalten:

yk'  =   Summe i = 0, ..., n/2-1   ai wi·2k   +    Summe i = 0, ..., n/2-1   ai+n/2 w(i+n/2)·2k.

Nun ist aber

w(i+n/2)·2k  =  wi·2k + nk  =  wi·2k·wnk  =  wi·2k,

da wnk = 1 ist, und damit

yk'  =   Summe i = 0, ..., n/2-1     (ai + ai+n/2) wi·2k.

Mit m = n/2 sowie v = w2, v primitive m-te Einheits­wurzel, gilt:

yk'  =   Summe i = 0, ..., m-1     (ai + ai+m) vi·k,

d.h. yk' ist nichts anderes als die k-te Komponente der Fourier­trans­formation des Vektors

(ai + ai+m) i = 0, ..., m-1

der Länge m.

 

 

Ähnlich werden die Komponenten von y mit ungeradem Index berechnet. Es gilt für alle k Element {0, ..., n/2-1} :

yk''  =  y2k+1  =   Summe i = 0, ..., n-1     ai wi·(2k+1).

Wiederum wird die Summe in zwei Hälften aufgespalten:

yk'' =  Summe i = 0, ..., n/2-1   ai wi·(2k+1)   +    Summe i = 0, ..., n/2-1   ai+n/2 w(i+n/2)·(2k+1).

Nun ist aber

w(i+n/2)·(2k+1)  =  wi·2k + nk + i + n/2  =  - wi·wi·2k,

da wnk = 1 ist und wn/2 = -1 ist. Somit gilt:

yk'' =  Summe i = 0, ..., n/2-1   ai wi·wi·2k   +    Summe i = 0, ..., n/2-1   – ai+n/2 wi·wi·2k

  =   Summe i = 0, ..., n/2-1     wi·(ai – ai+n/2) wi·2k.

Mit m = n/2 sowie v = w2 gilt wiederum:

yk''  =   Summe i = 0, ..., m-1     wi·(ai – ai+m) vi·k,

d.h. yk'' ist nichts anderes als die k-te Komponente der Fourier­trans­formation des Vektors

wi·(ai – ai+m) i = 0, ..., m-1.

 

Durch rekursive Anwendung dieses Verfahrens auf Vektoren jeweils halber Länge wird im Ergebnis die Fourier­trans­formation berechnet. Bild 2 zeigt schematisch den Ablauf der Berechnung für n = 8.

Datenfluss der schnellen Fouriertransformation
Bild 2:  Datenfluss der schnellen Fourier­trans­formation

 

Analyse

Um die Fourier­trans­formation eines Vektors a zu berechnen, ist zunächst ein Vektor a' zu berechnen, dessen Komponenten ai' für i = 0, ..., m-1 wie oben gesehen folgende Werte haben:

ai'  =  ai + ai+m     sowie

ai+m'  =  wi·(ai – ai+m).

Hierfür sind m Additionen, m Subtraktionen und m Multiplikationen erforderlich sowie nochmals m Multiplikationen, um jeweils wi aus wi-1 zu berechnen. Insgesamt ergibt dies also 2m = n Additionen und 2m = n Multiplikationen.

Anschließend ist rekursiv auf die beiden Hälften von a' die Fourier­trans­formation anzuwenden.

Die Ergebnis­vektoren y' und y'' stellen die geraden und die ungeraden Komponenten von y dar; sie sind noch ineinander zu verschränken (perfect shuffle), um den gewünschten Vektor y zu erhalten. Die Permutation perfect shuffle lässt sich, etwa mit der unten angegebenen Prozedur, in 3/2 n Schritten durchführen.

Die Zeit­komplexität T(n) der FFT ergibt sich somit als

T(n) = 3.5n + 2·T(n/2)  sowie

T(1) = 0.

Die Auf­lösung dieser Rekursion ergibt

T(n) = 3.5n·log(n),   d.h.

T(nElement O(n log(n)).

 

Programm

Die folgende Prozedur berechnet die Fourier­trans­formation eines komplexen Vektors a, beginnend beim Index lo und der Länge n. Der Parameter w steht für die primitive n-te Einheits­wurzel. Rechen­operationen mit komplexen Zahlen sind der Über­sichtlich­keit halber mit normalen Rechenzeichen (+, -, *) dargestellt, obwohl diese in Java eigentlich nicht zur Verfügung stehen.

void fft(Complex[] a, int n, int lo, Complex w)
{
    int i, m;
    Complex z, v, h;

    if (n>1)
    {
        m=n/2;
        z=1;
        for (i=lo; i<lo+m; i++)
        {
            h=a[i]-a[i+m];
            a[i]=a[i]+a[i+m];
            a[i+m]=h*z;
            z=z*w;
        }
        v=w*w;
        fft(a, m, lo, v);
        fft(a, m, lo+m, v);
        shuffle (a, n, lo);
    }
}

 

Die Prozedur shuffle verschränkt die beiden, von den rekursiven Aufrufen von fft erzeugten Hälften reiß­verschluss­artig ineinander. Die entsprechende Permutation für n = 8 lautet

0 1 2 3 4 5 6 7
0 4 1 5 2 6 3 7

Zur Ausführung der Permutation wird ein Hilfsarray b verwendet, in das zunächst die eine Hälfte der Folge ausgelagert wird.

void shuffle(Complex[] a, int n, int lo)
{
    int i, m=n/2;
    Complex[] b=new Complex[m];

    for (i=0; i<m; i++)
        b[i]=a[lo+i];
    for (i=0; i<m; i++)
        a[lo+i+i+1]=a[lo+i+m];
    for (i=0; i<m; i++)
        a[lo+i+i]=b[i];
}

 

Inverse Fourier­trans­formation

Die inverse Fourier­trans­formation lässt sich mit demselben Verfahren durchführen. Aufgrund der Definition der inversen Fourier­matrix F -1 wird jedoch statt mit der primitiven n-ten Einheits­wurzel w mit der inversen n-ten Einheits­wurzel w-1 gearbeitet. In komplexe Zahlen ist dies die konjugiert komplexe n-te Einheits­wurzel w (vgl. o.a. Eigenschaften (5) und (6)). Ferner werden die Elemente der invers zu trans­formierenden Folge zunächst durch n geteilt.

 

Zusammenfassung

Die diskrete Fourier­trans­formation lässt sich interpretieren als Transformation eines Polynoms vom Grad n-1 von der Koeffizienten­darstellung in die Stützstellen­darstellung. Als Stützstellen werden die n-ten Einheits­wurzeln w0, w1, ..., wn-1 verwendet. Im Körper komplexe Zahlen der komplexen Zahlen sind die Werte

wk  =  cos(k·2π/n) + i sin(k·2π/n)  =  eik2π/n     mit   k Element {0, ..., n-1}

die n-ten Einheits­wurzeln.

Durch Ausnutzung der Symmetrien der n-ten Einheits­wurzeln lässt sich die Fourier­trans­formation beschleunigen; das Verfahren ist die schnelle Fourier­trans­formation FFT.

Mit Hilfe der FFT lässt sich die Zeit­komplexität der Polynom­multiplikation von Θ(n2) auf Θ(n log(n)) verbessern.

 

Literatur

[AHU 74]A.V. Aho, J.E. Hopcroft, J.D. Ullman: The Design and Analysis of Computer Algorithms. Addison-Wesley (1974)
[CT 65]J.M. Cooley, J.W. Tukey: An Algorithm for the Machine Calculation of Complex Fourier Series. Math. Comp. 19, 297-301 (1965)
[Sed 88]R. Sedgewick: Algorithms. 2. Auflage, Addison-Wesley (1988)
[Lan 06]H.W. Lang: Algorithmen in Java. 2. Auflage, Oldenbourg (2006)

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1)  Die Zahl i ist die imaginäre Einheit i = Wurzel-1

2)  Da es für n>2 stets mehrere primitive n-te Einheits­wurzeln gibt, ist die Fourier­matrix insofern nicht eindeutig festgelegt.

3)  Da die Fourier­matrix symmetrisch ist, lässt sich die Fourier­trans­formation auch als f(a) = F·a für Spalten­vektoren a definieren.

 

Weiter mit:  [Diskrete Kosinus-Transformation]  oder up

 

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